Im Gespräch mit Gregor Zehetner – Gründer und Co-CEO von Tapkey

Nikolai Roth Allgemein, Interviews Leave a Comment

Die digitale Zutrittskontrolle ist insbesondere bei der Vermietung von Liegenschaften mit hoher Frequenz z.B. temporäre Vermietung, Coworking Spaces oder Studentenwohnungen sinnvoll und entwickelt sich stetig weiter. Ich habe mich mit Gregor Zehnter von Tapkey über die Sicherheitsbedenken von Nutzern sowie über die Evolution und Zukunft der digitalen Zugriffskontrolle und natürlich über Tapkey selbst und das Konzept des PropTechs unterhalten. 


Bei Systemen zur Steuerung von Türen und Zutrittsmanagement kommt immer wieder der Sicherheitsaspekt auf. Viele Kunden fürchten sich durch eine digitale Lösung angreifbar zu machen. Wie gewährleistet ihr Sicherheit für eure Kunden?

Ohne Zweifel: Sicherheit ist bei digitalen Produkten - insbesondere Zugangslösungen - eine sehr zentrale Rolle und ist die Grundvoraussetzung, um als Mobile Access Plattform erfolgreich den globalen Markt bedienen zu können.

Selbstverständlich setzen wir hier in allen Ebenen auf etablierte Sicherheitstechnologien und Verschlüsselungsmechanismen. Es sind aber nicht nur Software und Systeme, die möglichst sicher sein müssen, sondern auch sämtliche systemkritische Betriebsprozesse eines Unternehmens. Darüber hinaus arbeiten wir seit einigen Jahren mit anerkannten Sicherheitsexperten zusammen, um unsere Sicherheitskonzepte in einem Vier-Augen-Prinzip laufend zu beleuchten und zu verbessern.

Als modernes Unternehmen gehen wir mit Security Vulnerabilities sehr offen um. Im Rahmen unserer Responsible Disclosure Policy sind Dritte bewusst dazu aufgerufen, mögliche Angriffsvektoren in unseren Systemen an uns zu melden. Sollte sich daraus die Notwendigkeit nach einem Patch ergeben, so werden dazu im Interesse der Sicherheit unserer Kunden und Partner in der Folge Informationen veröffentlicht. Bislang hatten wir allerdings noch keinen solchen Fall.

Takpey Connected World

Takpey Connected World

Eure Produkte können direkt in einem Smart Building integriert werden, oder aber nachträglich aufgerüstet werden. Werden entsprechend eurer Erfahrungen eher Bestandsimmobilien neuen Standards angepasst oder aber neue smarte Gebäude konzipiert?

Tapkey arbeitet als Softwareanbieter mit einer Reihe von Partnern zusammen, die für unterschiedliche Einsatzgebiete Produkte anbieten. Von Smart Home bis zur Enterprise-Zutrittslösung für globalen Einsatz. Das Hardware-Portfolio umfasst alle gängigen Formfaktoren für Gebäudezugang, ob Zylinder, Türbeschlag oder Leser. Besonders spannend ist, dass Tapkey-fähige Produkte nicht auf Gebäude beschränkt sind, sondern sich insbesondere auch über die Bereiche Fahrzeugzugang und Möbelschlösser erstrecken.

Wenn wir über “unser Produkt” - also das eigentliche Software-Angebot von Tapkey sprechen, dann liegt hier neben der Verfügbarkeit der Tapkey App der klare Fokus auf Integrationsprodukte für Anbieter von Kundenlösungen. Kurz: Mit unserem Software-Baukasten lassen sich rasch spezifische Lösungen wie etwa eine Mieter-App oder etwa eine Carsharing-App um das Feature “Mobile Access” erweitern. Damit ermöglichen wir für unsere Integration völlig neuartige Geschäftsmodelle.

Integration Übersicht Tapkey

Integration Übersicht Tapkey

In einer Zeit, in der sich die Smart Home Branche stetig weiterentwickelt liegt ihr mit Mobile Access voll im Trend. Woher kam die Inspiration das Unternehmen 2014 zu gründen?

 

Eigentlich geschah alles aus einem persönlichen Bedürfnis heraus. Wir waren vor einigen Jahren mit der notwendigen Verwaltung eines Bürozugangs für ständig wechselnde Projektteams mit bis zu 40 internen und extern Mitarbeitern konfrontiert. Die Schlüsselübergabe und der wiederholte Verlust von Metallschlüsseln stellten ein praktisches Problem dar. Genau das wollten wir beseitigen. Kurz darauf hatten wir einen ersten digitalen Schließgeräte-Prototypen am Laufen, der einfach über eine mobile App verwaltet werden konnte.

Bei einem dreimonatigen Aufenthalt im Silicon Valley im Jahr 2013 war der Trend zu “Smart Locks” mit den einigen aufstrebenden US-Firmen wie August oder Lockitron bereits unübersehbar. 2014 dann der finale Entschluss für die Verwirklichung unserer Vision ein eigenes Unternehmen zu begründen. Mittlerweile ist Tapkey viel mehr als nur ein Smart Lock Produkt. Es ist eine offene Mobile Access-Plattform mit sehr umfassenden Integrationsfunktionen und einer breiten Partnerlandschaft aus unterschiedlichen Segmenten.

Sind die Abnehmer eurer Lösungen eher private Haushalte oder größere Firmen, die ganze Komplexe umstrukturieren möchten?

Unser heutiger Hauptgeschäftsbereich ist Software-Lizenzgeschäft, vor allem im B2B-Bereich. Dabei zielen wir auf Lösungsanbieter aus den unterschiedlichsten Branchen ab, die unsere Technologie in ihre eigene Lösung integrieren und ihren Kunden dadurch eine ganzheitliche Lösung anbieten. Stichwort: Access as a Feature. So arbeiten wir beispielsweise mit SKEPP, einem führenden “Office as a Service”-Anbieter in Europa, zusammen. Das Unternehmen erweitert Bürokomplexe sozusagen um ein Gebäudebetriebssystem und erlaubt somit das Management sämtlicher Prozesse rund um ein Bürogebäude zu digitalisieren. Auf der Plattform können beispielsweise Mietverhältnisse verwaltet werden. Mieter erhalten dann automatisch einen digitalen Zugangsschlüssel für die gemieteten Räumlichkeiten.

Mobile Access Tapkey

Mobile Access Tapkey

Die Corona Pandemie hat in vielen Bereichen der Wirtschaft als Katalysator gewirkt. Habt auch ihr das Gefühl, dass sich Dinge schneller bewegen?

Allgemein hat die Corona-Pandemie sicherlich die Nachfrage nach digitaler bzw. schlüsselloser Zutrittskontrolle beflügelt. Wir machen die Erfahrung, dass die Industrie trotz angespannter wirtschaftlicher Lage deutlich offener für Investitionen in die Einführung neuer Technologien ist. Die Pandemie hat in vielen Bereichen die Notwendigkeit eigener umfassender Büroflächen infrage gestellt. Der Trend zu neuen flexiblen Nutzungsmodellen für Büros hat sich durch die aktuelle Situation deutlich beschleunigt. Genau dort kann das “Smartphone als Adhoc-Schlüssel” ihre volle Stärke ausspielen.

Blicken wir einmal 10 Jahre in die Zukunft – wie wird sich der Markt für Mobile Access deiner Ansicht nach verändern? Welche Rolle will Tapkey dabei einnehmen?

Gregor Zehetner - Gründer und Co-CEO von Tapkey

Gregor Zehetner - Gründer und Co-CEO von Tapkey

Mobile Credentials sind das am schnellsten wachsende Produkt im Bereich Zutrittskontrolle mit jährlichen Wachstumsraten von über 120%. Obwohl physische Credentials wie z.B. Ausweiskarten auf dem Markt noch immer eine wichtige Rolle spielen, sehen wir eine deutliche Verlagerung in Richtung Mobile Credentials. Auch das Thema Wearables wird immer wichtiger. Sie ermöglichen das Öffnen von Türen mit Uhr oder Armband - ohne das Smartphone zücken zu müssen. Das macht das Öffnen von Türen noch deutlich schneller und einfacher.

Aus Nutzersicht wird das Thema Zugang in Zukunft kein “abgekapseltes Thema” mehr. Viel mehr wird Zugang mit anwendungsspezifischen Lösungen verschmelzen: Selbstverständlich wird der Hotelgast mit seiner Hotel-App die Hoteltür öffnen. Genauso selbstverständlich wird der Wohnungsmieter die Mieter-App nutzen, um seine Wohnung zu betreten oder Shared Facilities wie den Hobbyraum zu buchen und zu betreten. Dementsprechend haben wir bei Tapkey unsere gesamte Strategie komplett auf umfassende Integrationsmöglichkeiten ausgerichtet.


Vielen Dank für den interessanten Austausch Gregor und den Einblick in die Arbeit und Philosophie die hinter Tapkey stehen.

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