Titelbild Artikel

Im Gespräch mit Fabian Mellin – Gründer und CEO von moovin

Nikolai Roth Allgemein, Interviews Leave a Comment

Moovin verändert seit über sechs Jahren die klassische Form der Immobilienvermietung. Das Team um Gründer und CEO Fabian Mellin besticht mit smarten Lösungen und optimierten, digitalisierten Prozessen im Sektor der Wohnungsvermietung.  Wir haben uns in diesem Interview nicht nur über die Produktlösungen und Services des PropTechs ausgetauscht, sondern auch einen Blick in die Zukunft des Vorreiters gewagt.

Keine Sorgen dank Full-Service-Vermietung  

Ihr bietet mit moovin Vermietern eine ganze Bandbreite an Services an. Woher kam die Idee für euer Unternehmenskonzept?

Wir vermieten Wohnungen für Immobilienunternehmen, erfolgsabhängig und für eine Nettokaltmiete. Es stimmt, dass wir viele Services anbieten, diese sind allerdings fast alle in der Full-Service-Vermietung inkludiert.

Logo moovinFrüher hatten wir ein etwas anderes Modell, bei dem Kunden sich einzelne Makler-Leistungen einkaufen konnten. Heute bieten wir das Komplett-Paket an, aber schneller, effizienter und günstiger als herkömmliche Makler. Mit der neuen Ausrichtung konnten wir einige der größten deutschen Immobilienunternehmen als Kunden gewinnen und unsere Anzahl von Vermietungen pro Jahr deutlich in den vierstelligen Bereich heben.

Die Idee zu moovin kam schon während meines Studiums auf, als ich in der Maklerbranche die ersten Schritte wagte. So bekam ich konkrete Einblicke in den Immobilienmarkt und damit auch in dessen Innovationsbedarf. Gemeinsam mit Arne Schubert entwickelte ich während unserer Zeit bei FREE NOW (ehemals mytaxi) die Idee, die Digitalisierung auch bei der Vermietung voranzutreiben, so wie mytaxi es bereits für die Taxivermittlung tat. Den endgültigen Startschuss gab dann die Einführung des Bestellerprinzips in 2015, laut dem derjenige den Makler zahlt, der ihn auch beauftragt hat – und das sind meist die Vermieter. Durch die Gesetzesänderung wurde der Weg für ein digitales und preiswertes Produkt wie moovin geebnet. Allerdings hat sich unser Angebot im Vergleich zu damals verändert. Während wir zunächst die Vermietung für den privaten Vermieter revolutionieren wollten, tun wir dies heute für Immobilienunternehmen und haben damit eine klare B2B-Ausrichtung.

Übersicht Website moovin

Übersicht Website moovin

Konstante Qualität für Kunden 

Ihr arbeitet vor Ort mit externen Dienstleistern, wie gewährleistet ihr einen konstanten Servicestandard?

moovin Kunden mit Makler

moovin Kunden mit Makler

Da wir Vermietungen in ganz Deutschland durchführen, benötigen wir auch ein bundesweites Netzwerk von Experten – dazu zählen beispielsweise professionelle Fotografen und unsere Wohnungsberater, die Besichtigungen durchführen. Der Begriff “Externer Dienstleister” trifft es nur in einigen Fällen, wenn wir bspw. mit einem Fotografen vor Ort arbeiten. Unsere Wohnungsberater durchlaufen bei moovin einen umfassenden Onboarding-Prozess und werden durch unsere moovin Academy geschult, gebrieft und betreut. Durch diese regelmäßig stattfindenden Fortbildungen und externen Partnern wie z. B. die BBA – Akademie der Immobilienwirtschaft e.V. ermöglichen wir an allen Standorten einen hohen Qualitätsstandard. Darüber hinaus stellen wir unseren Kunden stets einen festen Ansprechpartner zur Seite, der sich in unserem über 20-köpfigen Head Office in Hamburg befindet. Von dort aus wird unser Expertennetzwerk gesteuert sowie Besichtigungen und Fototermine koordiniert.

Die Akzeptanz des digitalen Service

Zu der direkten Interaktion mit Interessenten setzt ihr unter anderem auf automatisierte Mails, SMS-Reminder und einen Chatbot. Wie sind eure Erfahrungen hinsichtlich der Interaktion mit diesen Technologien?

Unsere Mission ist es den Vermietungsprozess so effizient wie möglich zu gestalten und dabei noch schneller ans Ziel zu gelangen, um Leerstand so gut es geht zu vermeiden. Wir entwickeln seit fast sechs Jahren unsere Vermietungssoftware weiter, um sowohl unseren Kunden aber auch den Mietinteressenten einen optimalen Prozess zu bieten. Gerade bei attraktiven Wohnungen in beliebten Lagen ist die Flut an Bewerbern händisch schier nicht stemmbar. Deshalb setzen wir immer dann auf automatisierte Prozesse, wenn sich wiederholende Schritte anfallen, die durch eine händische Bearbeitung enorm viel Zeit fressen würden. So versenden wir beispielsweise automatisiert E-Mails sobald ein Bewerber über unser System zu einem Besichtigungstermin eingeladen wurde. Er kann mit einem Klick zu oder absagen und erhält zusätzlich noch eine SMS, die ihn 24 Stunden vor dem Termin an die Besichtigung erinnert. Ebenso erhalten alle Bewerber automatische Absagen, sollte eine Wohnung nicht mehr verfügbar sein.

Das Feedback von Interessenten ist dabei sehr positiv, da sie jederzeit über den Stand der Bewerbung informiert sind und nicht tage- oder gar wochenlang auf eine Antwort warten müssen. Natürlich ersetzen diese automatischen Prozesse nicht die gesamte Kommunikation, vielmehr helfen sie uns dabei einen besseren Job zu machen und selbst bei hoher Nachfrage alle Interessenten bestmöglich zu bedienen. Unsere Account Manager sind trotz aller Features und Optimierungen weiterhin persönlich für den Kunden und den Interessenten im Einsatz.

Fabian Mellin, Gründer & Geschäftsführer moovin

Fabian Mellin, Gründer & Geschäftsführer moovin

Crowd-Finanzierung als Chance 

Ihr seid ja unter anderem durch die Crowd finanziert, welche Erfahrungen habt ihr mit Crowdfunding für ein PropTech gemacht?

Wir haben uns neben VCs und Business Angels auch über Crowdfunding finanziert. Bisher konnten wir die Finanzierungsrunden über die Plattform Seedmatch erfolgreich abschließen. Nachdem das Bestellerprinzip eingeführt wurde, gab es neben moovin zahlreiche Startups, die sich im Bereich der Vermietung versucht haben. Auf dem Weg, sich gegen diese zahllosen Mitbewerber durchzusetzen, haben uns knapp 800 Kleininvestoren unterstützt. Mit sehr viel Vertrauensvorschuss hat die Crowd schon seit 2016 an unser Geschäftsmodell geglaubt. Bei klassischen Finanzierungsrunden gibt es eine Partei, die man für sich gewinnen möchte. Der Prozess kann sich relativ langatmig gestalten, dafür ist aber auch der Erfolg einer solchen Runde besser abzusehen. Beim Crowdfunding ist völlig offen, wie das Produkt bei hunderten Investoren ankommt, wie groß das Interesse ist und ob man sein avisiertes Ziel erreicht. Dabei spielt die Art des Unternehmens aus meiner Sicht keine übergeordnete Rolle. Sicherlich ist die Immobilienbranche für Investoren generell attraktiv und gerade in Verbindung mit Technologie interessant, aber letztendlich musst du mit dem Produkt überzeugen, egal ob Software, Vegane Shakes, E-Roller oder eben eine effiziente Full-Service Wohnungsvermietung.

Kundenzufriedenheit steht an erster Stelle 

Ab welchem Umfang von Vermietungen rechnet sich euer Produkt für den Kunden?

Die Vermietung über moovin rechnet sich für den Kunden bereits ab der ersten Wohnung. Dank Digitalisierung und standardisierten Prozessen bieten wir die Vermietung für eine Nettokaltmiete an. Das entspricht in etwa der Hälfte der Kosten eines klassischen Maklers. Natürlich fällt die Ersparnis bei größeren Beständen entsprechend höher aus. Dadurch, dass Kunden einen Ansprechpartner für alle Standorte haben, fällt deutlich weniger Aufwand für Abstimmungen oder bspw. Reportings an. Der zuständige Account Manager hat jederzeit alle Vermietungsleistungen für einen Kunden im Blick und kümmert sich um einen reibungslosen Prozess.

Header moovin

Die Situation des Immobilienmarkts 

Neben eurer digitalen Lösung seid ihr auch als Makler vor Ort aktiv. Wie geht ihr mit der aktuellen Situation in Bezug auf die Corona Pandemie um und welche Herausforderungen gehen damit einher?

Die Corona-Pandemie hat viele Wirtschaftszweige hart getroffen, auch die Immobilienbranche ist davon nicht verschont geblieben. Allerdings haben wir das Glück, dass unser digitaler Ansatz zur Wohnungsvermietung eine sehr viel bessere Basis zur Anpassung auf eine solche Situation bildet. So konnten wir wegfallende Vor-Ort-Leistungen zu einem Großteil durch digitale Maßnahmen kompensieren.

Zu Beginn der Krise haben wir den Auftrag zur Vermietung eines der größten Wohnprojekte Deutschlands bekommen. Mit dem Projekt “Südkreuz Berlin” schafft die Hines Immobilien GmbH ein Zukunftsquartier mit 665 Wohnungen, welche es zu vermieten galt. Während andere Makler zum Zeitpunkt der Kontaktbeschränkungen beispielsweise keine Besichtigungen mehr durchführen konnten, haben wir unsere 360°-Rundgänge für virtuelle Besichtigungen eingesetzt. Wir haben neben den digitalen Rundgängen auch Online-Besichtigungen per Livestream durchgeführt, um die Interessenten weiterhin bedienen zu können und die Vermietung trotz Beschränkungen zu gewährleisten. Eine zusätzliche Verknüpfung mit der Projekt-Website und Schnittstellen zur Verwaltersoftware haben einen digitalen Anmietungsprozess ermöglicht. Dieses Konzept ist extrem gut aufgegangen und wurde auch vom internationalen Publikum dankend angenommen.

Der Blick in die Zukunft 

Blicken wir einmal 10 Jahre in die Zukunft – wie wird sich der Markt für Wohnungsvermietung deiner Ansicht nach verändern? Welche Rolle will moovin dabei einnehmen?

Wir haben das Ziel größter Dienstleister für die Vermietung von Wohnraum zu werden. Das klingt zunächst ambitioniert, ist aber in Anbetracht unserer derzeitigen Entwicklung und in Hinblick auf die nächsten 10 Jahre nicht unrealistisch. Die Immobilienbranche ist einer der größten Wirtschaftszweige Deutschlands und insgesamt sehr beständig. Wenn man sich die letzten 10 Jahre anschaut, sieht man massive Zuzüge der Menschen in deutsche Großstädte. Damit einher gingen Preissteigerungen für Wohnraum von bis zu 100 % in den größten Städten.

Die Nachfrage von Wohnraum ist immens und wird zukünftig noch mehr Ressourcen zur Bearbeitung in Anspruch nehmen. Hier bietet die Digitalisierung von Prozessen eine große Chance. Auch die Corona-Pandemie hat gezeigt, dass eine digitale Infrastruktur für Unternehmen zusehends unverzichtbar wird. Wir haben uns als günstigere und dennoch effizientere Lösung im Vergleich zum herkömmlichen Makler positioniert. Wir werden auch in Zukunft die Wohnungsvermietung weiter standardisieren und mit digitalen Lösungen unsere Vor-Ort-Leistungen optimieren. Schon heute können wir bei den Makler-Leistungen der etablierten Unternehmen mithalten – und das zum halben Preis. Unser Servicelevel wird in den nächsten Jahren noch weiter steigen und wir entsprechend neue Märkte erschließen. Für das kommende Jahr stehen bereits einige große Veränderungen an, bis diese spruchreif sind heißt es jedoch fleißig weiter vermieten und #keeponmoovin.

Danke Fabian für den Austausch und die interessanten Einblicke!

Diesen Beitrag teilen

PropTech.de - Newsletter

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.