Im Gespräch mit KIWI-CEO Karsten Nölling

Nikolai Roth Allgemein Leave a Comment

Durch die zunehmende Relevanz von Smart Buildings in der Immobilienwirtschaft rückt auch das digitale Zutrittsmanagement immer weiter in den Vordergrund. Im Gespräch mit KIWI CEO Karsten Nölling erfahre ich, wie Wohnungsunternehmen und ihre Kunden vom ganzheitlichen und sicheren Lösungsansatz des PropTechs profitieren und wie sich die Bedeutung moderner Zutrittslösungen seiner Ansicht nach in der Zukunft verändern wird.

KIWI und das digitale Zutrittsmanagement

KIWI

Aus welcher Inspiration heraus ist die Idee  für Kiwi entstanden?

Die Idee hatte die Co-Gründerin Claudia Nagel, als sie vollbepackt und mit Kindern an der Hand vor verschlossener Haustür stand. Das war schon 2007, der Start von KIWI war dann 2012. Auch wenn die Idee also einer klassischen Bewohnersituation aus dem Alltag entstammt, haben wir uns mit KIWI von Anfang an auf die Prozesse rund um den Türzugang zu Mehrfamilienhäusern aus Sicht der Wohnungsunternehmen und Verwalter konzentriert und KIWI als Zugangsplattform konsequent darauf ausgerichtet.

Ganzheitliche Lösungen für die Wohnungsunternehmen

Mittlerweile kooperiert ihr unter anderem mit einigen großen Wohnungsunternehmen – Welche Vorteile ergeben sich aus der Nutzung eures Produktportfolios sowohl für die Unternehmen selbst aber auch z.B. für deren Mieter?

Das KIWI Smart Lock ermöglicht ein modernes Zutrittsmanagement ohne den Einsatz eines Schlüssels

Das KIWI Smart Lock ermöglicht ein modernes Zutrittsmanagement ohne den Einsatz eines Schlüssels

Wir haben heute bereits über 600 Kunden aus der Branche für KIWI gewinnen können, darunter sind auch viele der großen Bestandshalter. Unsere Kunden profitieren von drei wesentlichen Vorteilen: Zum einen steigern wir die Effizienz der Prozesse in der Bewirtschaftung. Daher starten viele Kunde auch mit der Digitalisierung der Hauseingangstür und wichtigen Technikräumen. Hier liegt die Amortisation bei ca. 1 Jahr, das ist also meist eine einfache Entscheidung. Ein zweiter wichtiger Aspekt ist Sicherheit. Viele Kunden haben keine Kontrolle über Ihre Schlüssel und damit natürlich auch nicht über den Zugang. Da braucht es gar keinen Diebstahl. Konventionelle Schlüssel neigen dazu, sich zu verselbstständigen und zu vermehren. Ein dritter wichtiger Grund ist der Komfortgewinn. Das gilt nicht nur im AAL-Kontext, sondern für alle Nutzer – Bewohner, Mitarbeiter der Wohnungsunternehmen und Dienstleister.

Für Wohnungsunternehmen ist KIWI besonders sinnvoll, da sie über offene API Softwareschnittstellen KIWI sowohl mit Ihrem ERP-System als auch weiteren PropTech-Lösungen kombinieren können. Dadurch wächst KIWI in alle Richtungen mit und kann in bestehende Prozesse der Branche optimal integriert werden.

Bei Mietern sehen wir immer wieder begeisterte Reaktionen – und durch die optionale Transpondernutzung auch bei älteren Mietern. Beim Auto denkt heute kein Mensch mehr daran, einen Schlüssel in die Tür zu stecken und bei der Haus- oder Wohnungstür geht das den Mietern genauso, wenn Sie einmal die Vorteile erleben konnten.

Hohe Sicherheitsstandards

Durch den Einsatz von digitalen Tools in beispielsweise der eigenen Wohnung treten  vermutlich auch Sicherheitsbedenken auf. Wie sichert ihr eure Systeme für den Notfall?

Unsere Sicherheitsstandards entsprechen denen des Online-Bankings. Wer unser System knacken möchte, muss also einen Aufwand betreiben, der für den Einbruch in ein Banken-System erforderlich wäre.

Unsere Sicherheitssysteme werden fortlaufend überprüft, sowohl von unabhängigen Institutionen wie dem TÜV, als auch von s. g. White Hat Hackern, die permanent nach Schwachstellen suchen und bei einem Befund gemeinsam mit uns nach Lösungen suchen.

Wir haben zudem geballte Fachkompetenz im eigenen Haus für diesen Bereich. Unser CTO Zaher Marzuq arbeitete zuvor bei IBM als R&D Group Manager. Er entwickelte u. a. die “Trusteer Pintpoint”-Lösung zur Prävention von Cyberkriminalität im Bankensektor. Mit dieser Lösung werden bis heute weltweit Milliarden Bank-Transaktionen abgesichert.

Erweiterung des Produktportfolios

Welcher Zusatznutzen ergibt sich für eure Kunden durch die Erweiterung des Produktportfolios mit SmartDOORS?

Mit der SmartDOOR bieten wir der Wohnungswirtschaft eine All-Inclusive-Lösung für Neubau- und Sanierungsprojekte an, die extrem wartungsarm

Mit dem KIWI Transponder lassen sich Türen schnell und einfach öffnen

Mit dem KIWI Transponder lassen sich Türen schnell und einfach öffnen

ist zugleich sämtliche Freiheiten bei der Auswahl der Türen lässt. KIWI ist in der SmartDOOR bereits integriert, die Stromversorgung wird über die Stromleitung der Immobilie gewährleistet.

Mit der Arbonia AG und ihren beiden Marken PRÜM und GARANT haben wir einen perfekten Partner für dieses Produkt gewinnen können. Arbonia baut jedes Jahr über 2,5 Millionen Holzinnentüren und unsere Kunden haben hier eine unglaublich große Auswahl an verschiedensten Türen in sämtlichen Sicherheitsklassen, Größen und Designs. Das digitale Schließsystem ist von außen dabei vollkommen unsichtbar, was Architekten und Bauherren bei Neubau- und Sanierungsobjekten alle Gestaltungsspielräume lässt. Die Installation ist zudem ausgesprochen einfach.

Die Zukunft der Wohnungswirtschaft

Denken wir einmal zehn Jahre weiter: wie wird sich die Wohnungswirtschaft deiner Meinung nach verändern? Welche Rolle wird KIWI dabei einnehmen?

Technologie und Digitalisierung wird zunehmend ein entscheidender Wettbewerbsfaktor für die Wohnungswirtschaft, so wie es in allen anderen Branchen bereits der Fall ist. Die Wohnungs- und Immobilienbranche hat die komfortable Situation, Entwicklungen aus anderen Branchen beobachten und auf diese zeitverzögert und entsprechend vorbereitet reagieren zu können. Das Ausmaß der Veränderungen durch digitale Technologien wird aber für die Branche genauso fundamental, wie wir das für andere Branchen, wie z. B. Mobilität oder Banking, heute schon sehen.

Die Auswirkungen auf die Wohnungswirtschaft werden in 10 Jahren sehr viel sichtbarer sein als heute. Schon heute könnte aus technischer Sicht ein Vermietungsprozess komplett automatisiert ablaufen, vergleichbar mit der Vermietung eines Autos. Solche Änderungen werden in 10 Jahren im Alltag angekommen sein. Auch die Veränderungen durch neue Mobilitätskonzepte und die Bedeutung des Wohnens für SmartCity, NewWork und Klimawandel werden die Wohnungswirtschaft prägen – und umgekehrt. Ganz grundsätzlich wird die Bedeutung der Branche durch die aktuellen Megatrends stark zunehmen.

KIWI CEO Karsten Nölling

KIWI CEO Karsten Nölling

Wir werden in 10 Jahren erleben, dass sich die heutigen Innovationsführer in den nächsten Jahren einen klaren Vorsprung erarbeiten. Sie können effizienter und sicherer bauen und ihre Bestände kostengünstiger bewirtschaften. Technologie wird auch ein Treiber der weiteren Konsolidierung der Branche sein. Das Wichtigste ist, dass innovative Unternehmen bereits heute durch konkrete Projekte anfangen, die Einstellung der Mitarbeiter/-innen zu verändern, was der wichtigste Faktor für den Erfolg in 10 Jahren sein wird.

Die Wohnungswirtschaft wird sich also weiter dem Thema Digitalisierung stellen. Während heute noch immer eher die Mutigen und Innovationsführer neue Prozesse und Produkte einführen, werden in 10 Jahren heutige Innovationen selbstverständlicher Teil der Branche sein. Das gilt sowohl für das Produkt (digitales Gebäude) als auch für die Prozesse – und zwar sowohl für den Bestand als auch für den Neubau.

Wir werden auch sehen, wie die Bedeutung offener Plattformen zunimmt. Die Wohnungswirtschaft ist trotz einiger großer Unternehmen und zunehmender Konsolidierung auch in 10 Jahren noch sehr fragmentiert, genauso wie die Dienstleister. Dies ist ein wichtiges Motiv, warum sich der Vorteil offener Plattformen zunehmend durchsetzen wird. KIWI wird hierbei für das Thema Zugang seine führende Rolle weiter ausbauen und integriert in die Prozesse der Branche den Türzugang effizient, sicher und DSGVO-konform für alle Nutzer ermöglichen. Das schlüssellose Öffnen von Türen in Wohngebäuden wird in 10 Jahren für Menschen so normal wie heute das schlüssellose Öffnen von Autos oder Hoteltüren.

Vielen Dank für das interessante Interview, Karsten.

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About the Author

Nikolai Roth

Nikolai Roth ist Gründer und Geschäftsführer von Maklaro, Anbieter von digitalen Makler-Services, die eine Effizienzsteigerung entlang der gesamten Wertschöpfung des Immobilienverkaufs ermöglichen. Den Ursprung für das digitale Produktportfolio des Unternehmens bildet die langjährige Marktpräsenz von Maklaro als digitaler Immobilienmakler. Außerdem bloggt Nikolai Roth seit 2016 auf PropTech.de über die Digitalisierung der Immobilienbranche und ist darüber hinaus im Vorstand der German PropTech Initiative e.V. sowie Abgeordneter im Bundeskongress Immobilienwirtschaft.

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